Lärm und Hinweis auf Gefahren

Lärm ist eigentlich immer störend. Allerdings stresst mich mancher Lärm mehr als anderer, insbesondere Autolärm. Denn dabei denke erwarte ich als Radfahrer meist ein knappes Überholmanöver, was Gefahr bedeutet.

Als Radfahrer gehört es zum Alltag, ständig von Autos überholt zu werden. Das Problem ist die Qualität dieser Interaktion: Viele Überholmanöver sind schlicht zu knapp. Wenn man regelmäßig erlebt, dass der Sicherheitsabstand missachtet wird, ändert das die Wahrnehmung der Umgebung. Das Geräusch eines sich nähernden Motors ist dann kein Hintergrundrauschen mehr, sondern ein direktes Warnsignal. Bevor das Auto überhaupt neben mir ist, erwarte ich bereits ein gefährliches Manöver.

Diese Verknüpfung zwischen Geräusch und Gefahr ist inzwischen so tief verankert, dass sie sich nicht einfach abschalten lässt, wenn ich vom Rad steige. Selbst wenn ich nachts im Bett liege und die Autos an der Durchgangsstraße höre, löst das Stress aus. Objektiv betrachtet bin ich im Haus sicher, aber mein Unterbewusstsein meldet trotzdem Gefahr.

Es ist eine klassische Konditionierung. Mein Gehirn hat gelernt: Autolärm bedeutet Bedrohung. Um den Lärm der Straße wieder als normales Hintergrundgeräusch ignorieren zu können, müsste ich diese Angst erst mühsam wieder verlernen. Das ist allerdings schwierig, solange die Realität auf der Straße die Konditionierung bei jeder Fahrt aufs Neue bestätigt. Und so bin ich durch das Radfahren vielleicht lärmempfindlicher geworden als so der breite Durchschnitt der hauptsächlich autofahrenden Bevölkerung.